Weihnachten & Silvester in Georgetown

Multikulti auf engstem Raum

Weiter geht unsere Reise nach George Town, wo wir Weihnachten und Silvester verbringen werden. Schon nach kurzer Zeit wird klar: Diese Stadt ist noch einmal multikultureller als Langkawi – dichter, touristischer, urbaner und kulturell unglaublich vielschichtig.

Die Geschichte erklärt vieles. Die Briten gründeten George Town 1786 als Handelsposten der East India Company. Penang wurde schnell zu einem wichtigen Knotenpunkt im Handel zwischen Indien, China und Südostasien. Mit den Briten kamen indische Arbeitskräfte, Händler aus Südchina. Die britische Kolonialherrschaft endete offiziell 1957 mit der Unabhängigkeit Malaysias, doch ihr Einfluss ist bis heute sichtbar. Das zeigt sich im Alltag an den vergleichsweise guten Englischkenntnissen der Malaysier.

Heute ist George Town vor allem stark chinesisch geprägt. Das zeigt sich nicht nur in den Tempeln, Clan-Häusern und Straßenzügen der Altstadt, sondern auch im Stadtbild insgesamt. Entlang der Promenade ragen moderne 30- bis 36-stöckige Hochhäuser in den Himmel – ein Anblick, der eher an chinesische Metropolen erinnert als an Südostasien, wie man es sich klassisch vorstellt.

Unsere Ferienwohnung liegt genau hier, hoch über der Stadt, mit Blick auf das Meer. Offiziell wohnen wir im Stockwerk 12b, was im Grunde dem 14. Stock entspricht. Die Zahlen 4, 13 und 14 gelten hier als abergläubisch belastet und werden in vielen Gebäuden schlicht ausgelassen. In vielen ostasiatischen Sprachen klingt die Zahl 4 wie das Wort „Tod“. Die Kombination aus 1 + 4 ist für Chinesen besonders schlimm das es kling wie „wird wahrscheinlich sterben“. Die 13 wir den Christen zuliebe vermieden, da unter anderem 13 Personen beim letzten Abendmahl waren.

Kulinarisch ist George Town eine kleine Weltreise für sich. Während wir in Thailand vor allem auf Nachtmärkte gesetzt haben, funktioniert Essen hier anders:
Malaysia – und besonders George Town – lebt von seinen Food Courts.

Diese bestehen aus vielen kleinen Ständen unter einem Dach oder auf offenen Plätzen. Man setzt sich an einen Tisch, holt sich sein Essen bei verschiedenen Ständen und stellt sich sein Menü selbst zusammen. Angeboten wird alles:

  • chinesische Küche
  • malaysische Klassiker
  • indisches, Thai und Western Food

So kann jeder essen, worauf er Lust hat – und man probiert sich ganz automatisch durch unterschiedliche Küchen. Das Essen ist günstig, vielfältig und meist sehr gut. Alle Kulturen und Nationalitäten sitzen hier zusammen zusammen beim Essen und dadurch fühlt sich George Town unglaublich aufregend und lebendig an. Ein perfekter Ort also, um Weihnachten und den Jahreswechsel in einer ganz anderen Atmosphäre zu erleben.

Weihnachten fern der Heimat – und doch ganz nah

Weihnachten und Silvester verbringen wir in diesem Jahr nicht allein, sondern gemeinsam mit Jörg, Christina und Emma aus Hamburg. Es fühlt sich zunächst unwirklich an, so weit weg von zu Hause vertraute Gesichter zu treffen und Zeit miteinander zu verbringen. Und doch merkt man gerade an den Festtagen, wie wertvoll es ist, ein Stück Heimat bei sich zu haben.

Auch für die Kinder war das eine willkommene Abwechslung. Unsere Freunde reisen ebenfalls mit einem kleinen Kind, und so entstand ganz automatisch ein kleines, vertrautes Familiengefühl – mitten in Malaysia.

Unweit unserer Wohnung befanden sich zudem zwei, drei große Malls, in denen man gut seine Zeit verbringen konnte. Klimatisiert, angenehm kühl und mit viel Unterhaltung ausgestattet, boten sie eine willkommene Abwechslung zur Hitze draußen. Besonders angetan hatte es Kilean ein Golf-Simulator, den wir gleich mehrmals besucht haben. Drei Mal standen wir dort und versuchten, unsere Fertigkeiten zu verbessern – ein kleines Ritual, das uns allen Spaß gemacht hat.

Für den 24. Dezember hatten wir uns bewusst etwas Weihnachtsstimmung vorgenommen. Es gab Schrottwichteln für die Kinder, kleine Geschenke und viel Gelächter. Die Weihnachtsmusik kam von YouTube, ebenso der Tannenbaum – digital, aber erstaunlich wirkungsvoll. Unsere Wohnung war zum Glück ohnehin sehr weihnachtlich dekoriert, und ein paar Kleinigkeiten hatten wir selbst im Gepäck.

Am Abend ging es noch schön essen. Die Pizza, die schließlich vor uns stand, hatte einen Chicken-Masala-Belag – für unseren Geschmack etwas zu experimentell. Aber auch das gehört wohl zu Weihnachten unterwegs dazu: neue Erfahrungen, auch kulinarische.

Auf dem Rückweg überraschte uns ein warmer tropischer Regen. Innerhalb von Sekunden waren wir bis auf die Knochen durchnässt. Doch bei 30 Grad fühlte sich das fast angenehm an – eher wie ein Erlebnis als ein Ärgernis.

Zurück in der Wohnung gab es trockene Kleidung, Gin Tonic, offene Fenster und das Gefühl, in einer kleinen privaten Skybar zu sitzen – am 24. Dezember, hoch über der Stadt, mit Blick auf Lichter und Nachtluft.

Ein Weihnachten, wie wir es noch nie erlebt haben.
Außergewöhnlich, warm, intensiv – und eines, das uns ganz sicher lange in Erinnerung bleiben wird.

Zwischen den Feiertagen – Hitze, Alltag und Affen

Die Tage zwischen Weihnachten und Silvester haben wir bewusst ruhig angehen lassen. Es ist sehr heiß und schwül, die Luft steht oft, und der Körper verlangt eher nach Schlaf und Pausen als nach großen Programmen. Wir haben lange geschlafen, lange gefrühstückt und viel Zeit mit unseren Freunden verbracht – geklönt, erzählt, einfach zusammen gesessen.

Die Innenstadt von Georgetown gehört seit 2008 zum UNESCO-Weltkulturerbe und wird täglich von Kreuzfahrtschiffen angefahren. Das merkt man, denn die Altstadt ist klein, dicht und oft übervoll mit Touristen. Viele Gebäude wirken schmuddelig, die Straßen sind schlecht instand gehalten, und insgesamt ist das Bild etwas ernüchternd. Vielleicht liegt es auch an der Hitze und der allgemeinen Erschöpfung, dass die Motivation, sich durch die Menschenmassen zu bewegen, nicht besonders hoch ist.

Was Georgetown jedoch einzigartig macht, ist sein multikultureller Charakter. Auf engstem Raum finden sich christliche Kirchen, Moscheen, hinduistische und buddhistische Tempel sowie chinesische und taoistische Tempelanlagen. Diese Vielfalt ist nicht nur sichtbar, sondern auch spürbar.

Besonders eindrucksvoll war eine Führung durch eine Moschee, die wir eher zufällig mitnehmen konnten. Bei über 30 Grad mussten wir uns entsprechend verhüllen, um die Moschee betreten zu dürfen. Dafür bekamen wir viele spannende Einblicke: wie Muslime beten, warum sie sich vor dem Gebet waschen, was ein Imam ist, welche Rolle der Muezzin spielt und wie der Alltag rund um das Gebet organisiert ist. Eine sehr ruhige, respektvolle und informative Erfahrung.

An einem anderen Tag besuchten wir den Botanischen Garten, ebenfalls ein beliebtes Ziel für Kreuzfahrttouristen. Busseweise werden die Besucher dort abgeladen, und sogar eine rund 20-köpfige Fahrradgruppe vom Schiff haben wir gesehen. Vegetationsmäßig war der Garten für uns eher unspektakulär – gut gepflegt, aber nicht überwältigend. Dafür waren die Affen umso beeindruckender.

Kurz vor dem Ausgang setzten wir uns auf eine Bank und wollten Bananen essen. Überall wird davor gewarnt, dass die Affen alles klauen, doch in dem Moment haben wir nicht daran gedacht. Mira war schon halb fertig mit ihrer Banane, als ich hinter ihr einen Affen näherkommen sah. Als ich sie warnte, folgte ein kleiner Schreckmoment: Ein Aufschrei, die Banane flog im hohen Bogen – direkt zum Affen. Seine Artgenossen kamen sofort hinterher. In der allgemeinen Aufregung entriss Mira auch Leonie die Banane und warf sie weit weg. Ein schrecklich komischer Moment, bei dem wir den Affen schließlich beim Festmahl zuschauen durften.

Direkt neben dem Botanischen Garten befindet sich ein indischer Hindu-Tempel, sehr bunt, sehr eindrucksvoll – aber auch hier laufen viele Affen herum, und leider liegt entsprechend viel Müll herum. Das trübt den Eindruck ein wenig. Rund 500 Stufen führen hinauf zu einem Schrein und weiteren Tempelanlagen. Bei diesen Temperaturen eine echte Herausforderung.

Zwischen den Feiertagen ist Georgetown für uns weniger ein Ort des großen Entdeckens gewesen, sondern eher ein Ort des Beobachtens, Durchatmens und Verstehens. Nicht jeder Tag muss ein Highlight sein – manchmal reicht es, einfach da zu sein.

Unser besonderes Silvester 2025–2026

Der letzte Tag des Jahres begann entspannt. Mittags machten wir uns dann doch noch auf den Weg Richtung Strand.

Dort erwartete uns genau das, was wir befürchtet hatten: Die Sonne brannte gnadenlos vom Himmel. Man konnte sich eigentlich nur im Schatten aufhalten, ein kühles Getränk in der Hand. Die Jetskis und Boote am Strand verbreiteten einen starken Benzingeruch, der wenig Lust aufs Baden machte. Die meisten Menschen lagen einfach in der Sonne oder dösten träge im Schatten. Viel Bewegung war nicht drin.

Als wir uns dann doch noch einmal aufrafften, reichte es gerade für einen kurzen Rundgang an ein paar Straßenständen und einen Shake. Mehr Energie ließ die Hitze nicht zu.

Am späten Nachmittag begannen dann die Silvestervorbereitungen. Überall bauten Hotels und Malls Bühnen auf, um Stimmung zu machen. Es gab Livemusik, kostenlose Zuckerwatte, Ballons. Wir besorgten Tröten, Konfettikanonen und ein paar Tüten – wer gute Laune will, muss vorbereitet sein.

Am Abend landeten wir bei einem Italiener. Eine sehr gute Pizza, eine schöne Flasche Wein, wir saßen gemütlich zusammen. Es war herrlich warm, ein leichter Wind sorgte für angenehme Abkühlung.

Gegen 23 Uhr schauten wir kurz bei der Nachbarbühne vorbei, wo ein DJ elektronische Musik auflegte. Gute Stimmung, viele Menschen. Doch wir wollten das Feuerwerk aus unserer Wohnung nicht verpassen und machten uns rechtzeitig wieder auf den Weg nach oben.

Direkt neben unserem Wohnhaus fand im Park ein offizielles Feuerwerk statt. Zehn Minuten lang bot sich uns eine beeindruckende Show. Von oben auf das Feuerwerk hinabzublicken, war eine völlig neue Perspektive. Die meisten Raketen explodierten unter uns, nur die größten Batterien erreichten unsere Augenhöhe. Dahinter die erleuchtete Stadt – ein starkes Bild.

Ein ganz besonderer Silvesterabend.
Ein ruhiger, warmer, gemeinsamer Abschluss – und ein würdiger Abschied von Georgetown.

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