🌞 Alltag in Thailand – Schwitzen, Sonne und langsames Tempo
Morgens 7 Uhr sitzen wir beim Frühstück und es ist warm, nein es ist heiß, nein es ist einfach sehr schwül. Wir schwitzen im sitzen und haben der Schweiß auf die Stirn. Die Brille beschlägt, die Kleidung klebt, und zwischen sieben und acht Uhr morgens fühlt es sich an, als würde der Tag gar nicht richtig in Gang kommen. Die Schwüle weicht erst, wenn die Sonne richtig durchbricht – dann wird es zwar heißer, aber ersteinmal auch weniger schwül und leichter zu ertragen.
Eine naheliegende Lösung wäre, in klimatisierte Räume zu flüchten. Doch auch das ist nicht ideal: Die Luft ist kalt, trocken, es zieht ständig – angenehm ist anders.
Wir setze uns nach dem Frühstück, gegen acht Uhr, nach draußen an den Laptop. Erstmal Fünf Stunden Arbeit, mitten in der Tropenhitze. Mit nur einem Monitor ist das Arbeiten etwas eingeschränkt, aber es funktioniert ausreichend gut. Die anderen Gäste im Hotel beobachten uns, wie wir da mit unseren Laptops sitzen, schwitzend und tippend. Manche sprechen uns an, schütteln den Kopf oder zeigen Mitgefühl. Und ehrlich gesagt: Die Konzentration fällt hier wirklich schwerer als zu Hause. Meiner Meinung nach ein gutes Beispiel dafür, weshalb die Umweltbedingungen sich hier negativ auf die Produktivität und Wohlstand auswirken. Die Opportunitätskosten der Arbeit sind hier deutlich spürbar: Wer arbeitet, verzichtet nicht nur auf Freizeit, sondern auch auf ein Stück Abkühlung, Schatten und Ruhe.
Mittags hat man dann doch jeden Tag wieder Hunger und wir versuchen was leichtes zu essen – günstig ist es, ja, aber längst kein Schnäppchen mehr, so wie es vor Covid noch war.
Die Sonne ist Mittags gnadenlos. Ihre UV-Strahlung zwingt uns in den Schatten, die Haut verlangt nach Sonnencreme. Man schwitz wieder beim sitzen egal ob es schwül ist oder nicht.
Die Locals haben sich angepasst: Sie sind in lange Kleidung gehüllt, oft komplett mit Skimasken vermummt, wenn sie den ganzen Tag draußen arbeiten. Wenigstens können wir unsere Arbeit leicht bekleidet im Schatten der Terrassenüberdachung verrichten.
Die Nachmittag beginnt der Balanceakt: die Kommunikation mit Europa läuft, man arbeitet vorzugsweise am Handy – und versucht zugleich den Tag zu genießen. Schließlich möchte man auch etwas davon haben, denn gegen 18:00 Uhr wird es hier plötzlich dunkel. Dann folgt das Abendbrot und kurz darauf geht’s auch schon wieder ins Bett – schließlich stehen die Kinder um 7 Uhr auf und man will für den nächsten Tag ausgeruht sein. Der Alltag hier ist letztlich auch nicht spannender als zu Hause, nur ein bisschen heißer, anstrengender, exotischer und heller.




🌊 Freizeit am Meer – Sonne, Wellen und Mücken
Acht Stunden schlafen, acht Stunden arbeiten – da bleibt immerhin noch Zeit für einige schönen Stunden des Tages.
Sonnenbaden, schwimmen im Meer oder am Pool – das ist natürlich ein Privileg. Im Durchschnitt verbringen die Kinder etwa drei bis vier Stunden am Tag im Wasser. Leonie hat so in wenigen Tagen schwimmen gelernt.
Das Meer ist hier meist ruhig, fast wellenlos, und ideal zum Stand-Up-Paddling. Kilean, Mira und ich haben es ausprobiert – und sind begeistert.
Ab und zu legen in unserer Bucht Katamarane an, die durch den Golf von Thailand segeln. Das sieht traumhaft aus, aber auch dort ist die Hitze und die Härten des Lebens hier ein Thema. Mit einem norwegischen Katamaran-Besitzer bin ich ins Gespräch gekommen. Stolz erzählt er, sein Boot hat 3 Kajüten und hat 1 mio. USD gekostet. Am Abend, vor einem Sturm, sammelten sich in unserer Bucht vier größere Boote.
Nachts um zwei Uhr schaut Mira aus dem Fenster aufs Meer – das Boot des Norwegers hatte sich gelöst und trieb auf ein anderes zu. Plötzlich war Hektik im Dunkeln, die Norwegische Familie versuchte, das Boot bei starkem Wellengang unter Kontrolle zu bringen. Glücklicherweise haben Sie es geschafft und es ist noch alles gut gegangen. Wir waren froh, nicht auf einem der Boote zu sein – sie schwankten so stark, dass sicher allen an Bord übel war.
Wir bleiben lieber an Land – mit tollen Fruchtshakes und Eiskaffee in den kleinen Läden an der Straße. Das Essen ist abwechslungsreich, frisch und köstlich, und wir haben inzwischen fast jedes thailändische Gericht probiert. So langsam wissen wir, was uns schmeckt – und was nicht.
Dank des lokalen Nahverkehrs mit Sammeltaxis und Minivans kommt man überall schnell und günstig hin.
Man hüpft einfach auf die Ladefläche eines umgebauten Pickups und genießt den Fahrtwind. Allerdings ist das Gefühl in den steilen Bergkurven eher abenteuerlich, und die Abgase der alten Motoren machen den Magen nicht glücklicher.
Am schönsten sind die angenehmen lauwarmen Nächte am Strand. Man sitzt mit einem thailändischen Bier in der Hand, hört die Wellen und lässt die Gedanken treiben. Das Ambiente entschädigt für den anstrengenden Tag. Die Restaurants an der Bucht sind ansprechend beleuchtet, aus der Entfernung sieht man die diversen Feuershows und am Strand laufen Menschen, Krabben und Wellen auf und ab.
Nur wer mückenempfindlich ist, hat hier seine Herausforderung. Ich habe gelesen, dass die allergische Reaktion auf Mückenstiche mit der Zeit abnehmen soll – eine Art natürliche Desensibilisierung.
Toi, toi, toi: Kilean hat gar keine Probleme, Leonie kaum, und Mira scheint auf bestem Weg zu sein, durch diese natürliche Hyposensibilisierungstherapie immun zu werden.













🌿 Natur in Thailand – Dschungel, Meer und Mücken
Thailand kann vor allem mit seiner Natur punkten – einer exotischen, wilden und oft atemberaubenden Natur. Bei einem Schnorcheltrip konnten wir sie aus einer ganz anderen Perspektive erleben: vom Meer aus.
Eineinhalb Stunden ging es mit dem Boot hinaus zu einem Naturschutzgebiet, um dort zu schnorcheln.
Normalerweise ist die Fischvielfalt beeindruckend, das Wasser klar, und durch die geringe Tiefe wirkt alles greifbar nah – fast wie in einem Tropenaquarium.
Allerdings hat uns die späte Regenzeit in diesem Jahr einen kleinen Strich durch die Rechnung gemacht. Während und nach der Regenzeit kommt es häufig zu einer Algen- und Planktonblüte, die in ihrer Intensität von Jahr zu Jahr variiert. Diesmal war sie stärk – und so war das Meer etwas trüb und viele Fische blieben fern.
Trotzdem war es ein schönes Erlebnis – friedlich, sonnig und die Kinder waren sehr zufrieden.
Unser Hotel liegt direkt an einem Traumstrand. Zwischen den Kokospalmen wachsen Laubbäume und sogar Nadelbäume, die dem Strand ein fast unberührtes, waldiges Flair geben. Bei Ebbe öffnet sich ein breiter Sandstrand, perfekt zum Spazieren oder Joggen. Bei Flut reicht das Meer fast bis zu den Bäumen, etwas Schatten und Sand bleibt immer. Das Wasser hat 29 Grad – für Ostsee-erprobte nicht zu begreifen.
Daher ist unsere Baderoutine ungewöhnlich und folgt etwa folgendem Rhythmus:
Erst eine Stunde im schattigen Pool abkühlen, dann eine Stunde zum Aufwärmen ins Meer. Wenn man aus dem Meer kommt, fühlt sich leicht gegart und benötigt eine kühle Dusche.
Ein Spaziergang durch den Wald auf der anderen Seite der Straße wurde schnell zum kleinen Abenteuer. Nach etwa 15 Minuten bergauf entdeckten wir ein verwahrlostes Hotel, das gerade ein kanadischer Investor gekauft hat und renoviert wird. Die aussicht ist zwar schön, aber schwer vorstellbar, dass Touristen mit Koffern den Berg hinauflaufen. Trotzdem war der Spaziergang lohnend: kleine wild errichtete bewohnte Hütten im Wald, lautes Vogelgezwitscher und das Kreissägengeräusch von Zikaden vermitteln ein aufregendes und unheimliches Flair. Nicht ganz so schön ist der Müll, der hier und da herumliegt – manchmal ordentlich auf Haufen gesammelt, manchmal einfach verstreut. Auch im Dschungel leben Menschen, mit einfacher Bausubstanz und ohne Müllabfuhr. Schilder warnen vor der hohen Mückenlast, und tatsächlich haben wir dort Kinder mit stark zerstochenen Beinen gesehen. Am Tag ist es noch erträglich, aber sobald die Sonne untergeht, beginnt eine richtige Invasion. Dann hilft nur: Rückzug für eine Stunde, bis die Plage wieder nachlässt.
Ein anderes Mal wollten wir einen längeren Spaziergang machen – dabei sind wir auf Elefanten gestoßen. Sie sind hier Teil des touristischen Angebots: man kann sie füttern oder auf ihnen reiten. Manche laufen auch frei auf dem Grundstück des Betreibers umher. Ganz frei leben sie nicht; sie sind Nutztiere, und so sind auch die Meinungen über ihre Haltung geteilt. Trotzdem – die Begegnung bleibt eindrucksvoll. Unsere Kinder waren mutig und haben sie gefüttert.
Die Hitze macht solche Ausflüge anstrengend. Man sieht kaum Fußgänger, und nach einer Weile spürt man, wie der Körper ständig gegen die Wärme anarbeitet.
Wenn man sich dann endlich hinsetzt, in einem schattigen Café, fällt die ganze Anspannung spürbar ab. Die Natur hier verlangt Langsamkeit und Bedacht – sie lässt sich nicht hetzen.






























🌺 Land und Leute – Begegnungen in Thailand
Die Thais sind ein besonders freundliches Volk. Sie lächeln oft, sind hilfsbereit und bemühen sich, Touristen das Leben so angenehm wie möglich zu machen. Man spürt, dass Freundlichkeit hier Teil der Kultur ist – nicht aufgesetzt, sondern selbstverständlich. In Thailand versucht kaum jemand, Touristen hereinzulegen oder zu übervorteilen. Das Reisen fühlt sich dadurch schnell entspannt und sicher an.
Angestellte in Hotels, Verkäufer auf Märkten oder Restaurantbesitzer – sie alle sind interessiert und kommen gern kurz ins Gespräch.
Allein reist man anders – man ist offener, sucht eher den Austausch, während man als Familie leider meist für sich bleibt.
Zum Glück ist Kilean sehr neugierig und offen. Er spricht Menschen an, fragt, lacht, und sucht von sich aus Kontakt – zu Erwachsenen ebenso wie zu anderen Kindern. Und so entstehen, trotz Sprachbarrieren und kultureller Unterschiede, doch immer wieder kleine Begegnungen, die in Erinnerung bleiben.
Was uns besonders auffällt, sind die zahlreichen gemischten Paare:
Viele westliche Männer – oft auch älteren Jahrgangs – mit thailändischen Frauen – diese oft deutlich jünger als die Männer.
Natürlich spielt wirtschaftliche Sicherheit dabei eine Rolle; ein Leben mit einem in Relation „wohlhabenden“ internationalen Partner bietet Stabilität. Aber das allein erklärt es nicht. Die sogenannten „Farangs“ (so nennt man hier Nicht-Thais) sind oft weltoffene, freundliche Männer, die mit ihrer Erfahrung, Gelassenheit und Lebensfreude einen anderen Lebensstil verkörpern als viele thailändische Männer. Umgekehrt sieht man eigentlich keine thailändischen Männer mit weißen Frauen. Am Geld allein kann dies nicht liegen.
Gegenüber unserem Hotel liegt ein italienisches Restaurant, geführt von Marco, der bereits seit 17 Jahren hier lebt. Er hat zwei Söhne, 13 und 10 Jahre alt, und gemeinsam mit seiner gleichaltrigen thailändischen Frau führen sie eine Pizzeria und Trattoria.
Unter der Woche besuchen die Kinder ein Internat in Chanthaburi und helfen am Wochenende im Restaurant aus – das ist hier selbstverständlich.
Auch in anderen Lokalen sieht man, dass Kinder hier früh mithelfen. Ein elfjähriger Junge nimmt regelmäßig unsere Bestellung in einem kleinen Straßenrestaurant auf.
So wie Marco haben auffallend viele europäische Auswanderer in Thailands ihre neue Heimat gefunden und sind hier glücklich.












🌏 Allgemeines über Thailand – Realität, Wahrnehmung und Perspektive
Heute ist etwas passiert, das uns zum Nachdenken gebracht hat.
Beim Frühstück sprach uns ein anderer deutscher Urlauber an und fragte, wie es uns hier gefalle. Wir antworteten: „Sehr gut. Thailand ist ein tolles Land.“
Daraufhin kam prompt seine Meinung:
Er finde es schrecklich. Die Zustände seien miserabel, der Müll liege herum, die Hunde liefen frei herum, es gebe keine Bürgersteige, der Verkehr sei chaotisch – und überhaupt fühle er sich unsicher. Er erzählte weiter, dass er nur auf Empfehlung eines Freundes hierhergekommen sei, seinen Thailandurlaub nun aber abbreche und zurück nach Deutschland fliege – weil ihm das alles zu viel sei.
Diese Begegnung war auf ihre Art komisch und traurig zugleich. Denn wer sich in Thailand umsieht, erkennt: Das Land ist nicht perfekt, aber es ist authentisch, lebendig und real. Thailands Bruttoinlandsprodukt pro Kopf liegt ziemlich genau im weltweiten Mittelfeld – es ist also buchstäblich ein Abbild des globalen Durchschnitts. Nicht so wohlhabend wie Deutschland, aber auch weit entfernt von echter Armut.
Kurz gesagt: Wer sich hier unwohl fühlt, hat Angst vor der durchschnittlichen Lebensrealität des Durchschnitts der Welt.
Ehrlich gesagt sind uns manche „Missstände“ natürlich auch aufgefallen und können Seine Einwände ein wenig nachvollziehen. Doch wer reist, lernt, solche Dinge anders zu sehen – sie gehören einfach zur Welt dazu. Viele, die bewusst nach Thailand reisen, sind diese Vielfalt bereits gewohnt. Die Begegnung mit diesem Mann hat uns aber deutlich vor Augen geführt, dass ein nicht unerheblicher Teil der Menschen in Europa wahrscheinlich genauso denkt wie er – und damit genauso abgekoppelt von der Lebensrealität ist wie dieser Mann am Frühstückstisch.
Die Rolle des Tourismus ist enorm wichtig. Ca. 35 mio. Besucher kommen jährlich aus aller Welt – Amerikaner, Asiaten, Europäer, Russen und bringen offiziell 15 Milliarden USD mit.
Thailand ist ein interessanter Schmelztiegel, in dem viele Kulturen friedlich nebeneinander existieren. Der Tourismus bringt nicht nur Geld, sondern auch internationalen Austausch und einen im Vergleich zu anderen südostasiatischen Ländern beachtlichen Wohlstand. Doch Thailand ruht sich darauf nicht aus. Es ist ein modernes, zukunftsorientiertes Land.
So wurden etwa Steuererleichterungen für Kryptogewinne eingeführt, um Investoren und Digitalunternehmer anzulocken. Russische Käufer kaufen Immobilien und investieren inzwischen in Bitcoin.
In Thailand können mit dem „Smart Visa“-Programm ausgebildete Fachkräfte und Gründer mehrere Jahre im Land leben und arbeiten – vorausgesetzt, sie bringen Qualifikation, Kapital und Unternehmergeist mit. Das ist modern, offen, strategisch – und es wirft die Frage auf: Warum hat Deutschland solche Programme nicht längst eingeführt?