Langkawi – Free Trade Zone meets Magen-Darm

Nun geht es weiter nach Langkawi, der ersten Insel auf unserer Reise durch Malaysia. Langkawi steht spürbar zwischen zwei Welten: Handelszentrum und Tourismus. Die Insel wurde bewusst zur Duty-Free-Zone erklärt, um den Tourismus anzukurbeln und gleichzeitig Besucherströme aus dem benachbarten Thailand abzufangen.

Wir kommen in Kuah, der größten Stadt der Insel, an. Kuah ist klar für Anwohner und Handel gebaut, weniger für Reisende. Der Ort wirkt funktional, fast industriell. Große, viereckige Gebäude, schachbrettartig angelegte Straßen, Einkaufsmeilen ohne Charme. Nichts scheint organisch gewachsen zu sein – eher quadratisch, praktisch, hingestellt. Einladend ist anders.

Auch kulinarisch erleben wir zunächst einen kleinen Kulturschock. Das malaysische Essen ist deutlich fettiger, schwerer und würziger als das thailändische, das wir inzwischen sehr schätzen gelernt haben. Weniger pfiffig, weniger frisch – zumindest für unseren Gaumen. Vielleicht erklärt das auch, warum es hier so viele internationale Restaurants gibt: syrisch, pakistanisch, indisch, chinesisch, italienisch, koreanisch, japanisch. Nur die kleinen Garküchen sind meist malaysisch.

Diese Vielfalt ist kein Zufall, sondern Ergebnis der Geschichte Malaysias. Über Jahrhunderte gab es chinesische und indische Einwanderungswellen, und seit dem 15. Jahrhundert ist der Islam Staatsreligion. Heute sind rund 64 % der Bevölkerung Muslime. Das zeigt sich im Alltag: an den Gewändern vieler Frauen, an den Gebetsrufen, die morgens und abends durch die Stadt hallen. Interessanterweise gilt jedoch laut Aussage Einheimischer Weihnachten als das wichtigste Fest – weniger aus religiösen Gründen, sondern weil das Wetter dann am angenehmsten ist und Urlaubsstimmung herrscht.

Malaysia präsentiert sich insgesamt sehr multikulturell und friedlich. Menschen unterschiedlicher Herkunft, Religionen und Lebensweisen leben hier erstaunlich harmonisch zusammen. Diese Friedlichkeit ist für uns einer der größten Pluspunkte des Landes.

Trotzdem wirkt Langkawi überraschend ruhig. Bis zu 50 Flugzeuge landen hier täglich, und doch merkt man davon kaum etwas. Der Verkehr ist überschaubar, die Straßen sind leerer als in Thailand, das Tempo deutlich langsamer. Es entstehen neue Hotels und Resorts, und man bemüht sich sichtbar um Qualität – doch touristisch kann Malaysia mit Thailand (noch) nicht mithalten. Es fehlt an Leichtigkeit, an Herzlichkeit, an gewachsener Reisekultur. In Thailand wird man überall einladend angelächelt und ins Geschäft gebeten, hier hingegen schauen einen die verschleierten Frauen entweder grummelig an oder ignorieren einen. Hat man dann die ersten Worte gewechselt, tauen die Malaysier schnell auf und sind sehr freundlich – doch der erste Eindruck ist leider bereits gemacht.

Direkt am Tag unserer Ankunft in Malaysia ging es los. Kilean hat sich die ganze Nacht übergeben und war am nächsten Tag natürlich zu nichts zu gebrauchen. Zwei Tage später war Alex dran, weitere zwei Tage später dann unsere Tochter. So verging die schrecklichsten 7, 8 Tage unserer Reise, an denen eigentlich kaum etwas möglich war, weil immer irgendjemand angeschlagen war. Gerade bei Hitze, feuchtem Klima und anstrengenden Wegen zieht sich eine Magen-Darm-Erkrankung oft über viele Tage.

Die Familie ist hier 24 Stunden am Tag zusammen. Kaum Privatsphäre, dafür viel Verantwortung und nicht wenig Stress – auch wegen der scheinbar nie endenden Arbeit. Man hat ständig ein Auge auf die Kinder, jeder kleine Moment kann kippen. Wahrscheinlich haben wir uns den Infekt noch auf Koh Lipe eingefangen. Während wir Eltern zwei Minuten im Schatten saßen, haben die Kinder am Strand an einem Abwasserrohr Muscheln gewaschen. Als wir es bemerkten, wurden die Hände sofort gewaschen – aber offenbar war es da schon zu spät.

Kinder müssen ausprobieren, alles anfassen, sich mit Geschwistern behaupten und ihre eigenen Erfahrungen machen. Eltern müssen fördern, aber auch Grenzen setzen und negatives Feedback geben. Alles ganz normal – und doch extrem anstrengend für alle, wenn all das ohne Pause geschieht, ohne Rückzugsorte, ohne echte Erholung.

Trotzdem – oder vielleicht gerade deshalb – ist es auch schön. So viel Zeit miteinander verbringt man im normalen Alltag kaum noch. Zu Hause sehen manche Eltern ihre Kinder nur beim Frühstück und abends beim Abendbrot. Für echtes Kennenlernen bleibt da wenig Raum. Hier haben wir diese Zeit. Zeit, uns gegenseitig wirklich wahrzunehmen, mit allem, was dazugehört – auch mit den anstrengenden Momenten.

Leonie ist sensibel. Und das ist gut so. Für sie bedeutet das, Eindrücke intensiver wahrzunehmen, schneller zu reagieren und tiefer zu fühlen. Für sie selbst – und auch für uns als Eltern – ist das manchmal herausfordernd, besonders auf Reisen, wo vieles neu, laut, ungewohnt und unvorhersehbar ist. Doch genau hier hatten wir die Zeit, uns darauf einzulassen: uns einzufühlen, unser Tempo anzupassen, genauer hinzuschauen und bewusster zu reagieren. Ich glaube, das hat sie weitergebracht. Leonie wirkt deutlich selbstbewusster als noch zu Beginn der Reise.

Die vielen neuen Eindrücke, die wechselnden Situationen, das ungewohnte Umfeld, neue Abläufe, Gerüche, Geräusche und Gesichter – all das ist Gold wert für die Entwicklung von Kindern. Ursprünglich dachten wir, dass diese Reise vor allem für Kilean besonders prägend sein würde, weil er sich lange daran erinnern wird. Mittlerweile glauben wir jedoch, dass es für Leonie sogar noch bereichernder ist, hier zu sein. Sie wird früh geprägt, nimmt viel bewusst wahr und verarbeitet mehr, auch wenn sie sich später nicht an viele Details erinnern wird.

Unabhängig davon können wir sagen: Mit Kindern auch exotischere Gegenden zu bereisen, ist absolut empfehlenswert.

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